Der Tod unseres Pferdes

Eine Frage, die mir oft gestellt wird:

Haare schneiden vor oder nach dem Tod des geliebten Pferdes?

Eine Antwort darauf kann ich nicht geben. In vielen, oft sehr zu Herzen gehenden Gesprächen mit meinen Kunden habe ich feststellen können daß es zwei Gruppen gibt: Die einen können sich nicht vorstellen bei ihrem toten Freund Schweifhaare abzuschneiden und bei den anderen ist es genau umgekehrt. Oft kommt die Konfrontation mit diesem Thema auch sehr plötzlich und wir hatten vorher keine Zeit uns darüber Gedanken zu machen.

Zur Aufklärung sei aber Folgendes gesagt: Auch wenn wir unser Pferd mit Schweif in die Ewigen Jagdgründe verabschieden wollen, kommt es dort in den allermeisten Fällen ohne an! Da wir unseren Freund nicht wie eine Katze im Garten beerdigen können ( ist ja sowieso verboten) müssen wir den Abdecker bemühen. Der holt unser Pferd mit einem speziellen Transporter ab und bringt es zur Abdeckerei. Der weitere Werdegang ist dann verschieden doch eines ist meistens gleich: der Schweif wird mit samt der Schweifrübe abgetrennt und gegerbt.Diese Pferdeschweife sind beliebt bei Fasnachtskostümen  und diversen anderen Veranstaltungen.

Ich selbst finde die Vorstellung nicht sehr tröstlich. Ist der Schweif allerdings schon unterhalb der Schweifrübe abgeschnitten erübrigt sich das Gerben für den ( Schlachter ) Abdecker.  Sicher findet sich eine Vertrauensperson die das für uns gerne übernimmt ( Danke Erika! ) und selbst wenn wir uns nicht vorstellen können ein Schmuckstück daraus fertigen zu lassen können wir den Schweif unseres Pferdes im Garten begraben ( nicht verboten, so viel ich weiß! ).

Aus eigener Erfahrung mit dem Tot meiner geliebten Gina weiß ich wie schwer dieses Thema ist. Der Schweif meiner Stute liegt eingeschlagen in weißes Seidenpapier neben ihrem Bild. Ab und zu nehme ich ihn heraus, sehe die Haare an, rieche an ihnen und streichle sie. Immernoch fließen Tränen und ich kann es nicht glauben.  Es dauert seine Zeit. Und ein Patentrezept gibt es einfach nicht.

Mich tröstet die Vorstellung daß es für sie jetzt keinen Zaun mehr gibt die sie daran hindern die Mirabellen auf der anderen Seite zu fressen, ihre Beine nicht mehr schmerzen und es nie mehr zu kalt oder zu heiß ist. Sicher gibt es in den ewigen Jagdgründen auch keine lästigen Fliegen oder gemeine Bremsen. Und ich wünsche mir daß sie ihren langjährigen Stallkameraden Gharib wieder gefunden hat und sie nun gemeinsam über die immergrüne Wiese galoppieren. Ich hoffe, es geht ihr gut, wo immer sie sein mag. Ich vermisse sie.

Obwohl ich sozusagen an der Quelle sitze kann ich mich noch nicht für ein Schmuckstück entscheiden, bin gradezu geizig mit ihren Haaren, möchte kein einziges verschwenden… Ich warte noch. Sie hatte so wundervolles, weißes Schweifhaar. Natürlich habe ich schon zu ihren Lebzeiten Armbänder von ihrem Schweif gemacht doch ich spüre nun genau den Unterschied. Es ist ein anderes Gefühl ihr Haar zu nehmen, nun da sie tot ist. Ich kann meine Kunden verstehen. Wie gesagt, jeder empfindet es anders. Und es braucht Zeit.

1 Kommentar

  1. Nilgün meint: 29. November 2016

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